"TT" in der Gambrinushalle

 

Wir wollen nicht so boshaft sein, wie mancher Artikelschreiber, der uns eine Menge erzählt von ACEG oder BDFH, aber dabei heimtückisch verschweigt, warum es sich eigentlich handelt. " TT' heißt Tischtennis, auch Ping-Pong genannt, und dazu gehören ein größerer Tisch, ein weißer Zelluloidball und zwei Schläger aus Holz. Man kann es im Freien spielen und im kleinen Zimmer, auf dem Dachboden und im Keller, man kann Gesellschaftsanzug oder Sportdress tragen, und wenn auch das Können gering ist: Spaß ist immer dabei.

 

Offen gestanden, wir haben früher diese Unterhaltung mit dem weißen Bällchen nicht so recht als Sport angesehen, obwohl wir uns, alt und jung, gern damit die Zeit vertrieben. Die körperliche Übung bestand nicht so sehr im Schlagen des Balles, als vielmehr im Herumrutschen auf dem Fußboden und dem Suchen hinter den Schränken, wenn der glatte weiße Bursche von dem ewigen Geschlagenwerden genug hatte und sich unter Stühlen und Schränken versteckte. Fips, der Hund , beteiligte sich sich mit wütendem Eifer an der Sucherei, nur biß er manchmal in der Aufregung den Ball kaputt. Ab und zu war bei den Jungen auch ein wenig Flirt dabei, und so hatte jeder seinen Spaß, und niemanden juckte der Ehrgeiz, um jeden Preis zu gewinnen.

 

Nun aber ist das Spiel mit dem flinken weißen Bällchen zum Rang einer echten Sportgattung aufgestiegen, mit Landes- und Weltmeistern (wir haben sie im Saarland sehen können), mit Wettkämpfen und Tabellen usw. Auch im Saarland hat der Tischtennissport zahlreiche Anhänger gefunden. Unser Nachbarort Beckingen stellt den Meister der Oberliga und auch Merzig redet hier ein Wörtchen mit, steht doch die hiesige Mannschaft in der Landesklasse West an dritter Stelle, nur zwei Punkte hinter dem Tabellenersten.

 

Und wer gesehen hat, wie die Spieler Balle, Michels, Ketter und Klasen den Tabellenführer Dillingen und die flinken Leute aus Hostenbach hoch geschlagen nach Hause schickten, der muß den Merziger Jungen eine Chance geben. Noch ist, da wenig Propaganda gemacht wird, die Zahl der Anhänger dieses schönen Sportes, mit denen anderer Sportarten verglichen, gering, doch erscheint immer wieder eine Schar von Zuschauern zu den Wettkämpfen in der Gambrinushalle, und sie finden hier bestimmt mehr Spannung, Kampfwillen und schnellen Wechsel der Situation, als etwa bei einem langweiligen Fußballspiel, in dem es 40 unbeholfenen Beinen in eineinhalb Stunden nicht ein einziges Mal gelingt, den Ball ins Netz zu jagen. Besonders im Doppel entwickelt sich immer ein schneller und aufregender Kampf. Es gibt wohl kaum eine Sportart, die bei einfachsten Spielregeln ein solches an Akrobatik grenzendes Maß von Körperbeherrschung, Schnelligkeit des Auges, der Hand und der Beine, solche Beispiele von Geistesgegenwart und von witzigen Einfällen zeigt wie das Pingpongspiel.

Auch Fairneß, echten Sportgeist, kann man hier bewundern, denn die Spieler treten abwechselnd auch als Schiedsrichter auf, und es kommt kaum vor, daß der Unparteiische in seinen Entscheidungen den Gegner benachteiligt.

 

Jede sportliche Leistung verdient Anerkennung. Sollen wir sie unseren wackeren jungen TT-Künstlern versagen? Also auf zur nächsten Tischtennisveranstaltung in die Halle des Gambrinus! pehr.

 

Zeitungsausschnitt vom April 1953

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