Vom PING-PONG zum TISCHTENNIS

Um die Jahrhundertwende trat der Sport mit dem kleinen weißen Ball seinen Siegeszug an

 

Schon vor der Jahrhundertwende wurde Ping-Pong gespielt, das Spiel mit dem kleinen weißen Ball. Wo und wann es eigentlich entstand, läßt sich heute nicht mehr so genau feststelIen. Sein Vorgänger jedoch war das in den USA gespielte Indoor Tennis, das dort von den Gebr. Parker, die in Salem eine Sportartikelfabrik besaßen, entwickelt wurde. Indoor- Tennis, später in England unter dem phantasievolIen Namen Gossima bekannt, wurde vor der Jahrhundertwende mit schmalen, eierförmigen, pergamentüberspannten Schlägern gespielt. Um Beschädigungen an Möbel und anderen Gegenständen zu vermeiden, benutzte man einen festen leichten Ball, der mit einem leichten Gewebe umgeben war. Das für dieses Spiel benutzte Netz spannte man über einen Eßtisch oder - falls auf dem Boden gespielt wurde - zwischen zwei Stühle.

Die Amerikaner jedoch hatten dieses Spiel bald satt und so bemühten sich die Gebr. Parker, es mit Hilfe ihres britischen Agenten Hamley nach England zu exportieren. Dort und auch in anderen europäischen Staaten erfreute es sich schnell großer Beliebtheit, zumal einige Jahre später ein englischer Geistlicher selbstfabrizierte ZelluloidbälIe herausbrachte. Durch diese Erneuerung wurde das Spiel so verbessert, daß es sich in den folgenden Jahren sehr rasch in der Welt verbreitete. Hamley gab ihm die Bezeichnung Ping-Pong. Ein Engländer namens Good aus London ersetzte die Holz-, Pergament-- und Sandpapieroberfläche der Schläger durch einen Gummibelag.

Ping-Pong war vor und auch nach der Jahrhundertwende wie ein Schlager; es kam, verschwand und kam wieder. Meist wurde es in Cafes oder Hotels gespielt und schon kurz vor 1900 gab es am Viktoria-Luise-Platz in Berlin ein besonderes Ping-Pong-Cafe mit mehreren Tischen. Die Einteilung derselben ähnelte damals noch der eines Tennisfeldes und es wurde auch wie beim Platztennis gezählt. Bereits im Jahre 1907 wurde im Nollendorf-Casino eine Meisterschaft von Deutschland ausgetragen, die unter der Leitung des Jura-Studenten William Sab stand.

Was für die Berliner das Nollendorf-Casino, war für die Prager das Deutsche Haus und für die Wiener das Hotel Continental, wo bereits 1901 das erste Ping-Pong- Turnier stattfand.

In Österreich war das Ping-Pong-Spiel zu jener Zeit ein Gesellschaftssport, bei dem es den Spielern vorgeschrieben .;war, in Abendkleidung zu spielen. Die Damen kämpften im großen Abendkleid, die Herren im Smoking. Unter solchen Umständen wurde 1907 in Prag die erste Meisterschaft von Österreich ausgetragen.

 

Bis 1925 war Ping-Pong eben Ping-Pong. Erst als am 8. November 1925 Dr. Lehmann mit 38 Vereinen die endgültige Konstituierung des Deutschen Tischtennisbundes vollziehen konnte, wurde aus dem Spiel rasch ein Sport, ein Sport mit großen internationalen Turnieren, Weltmeisterschaften und einem Weltverband, dessen Präsident Ivor Montagu ( London ) sich um die Förderung des Tischtennissportes große Verdienste erworben hat.

1925 war das Jahr, in dem der TC 1900. GelbWeiß-Berlin die erste offizielle Deutsche Meisterschaft ausschrieb. Der Clou dieser Veranstaltung war das Erscheinen des damaligen Weltbesten P. Nanda, eines Inders, der ein Tischtennis zeigte, das in Deutschland bis dahin noch nicht gesehen wurde. Nandas hervorragendste Eigenschaft war ein derart variiertes Service ( 10 Aufschlagsarten ), daß es von europäischen Spielern nicht zurückgegeben werden konnte.

Unter den Teilnehmern an den ersten Weltmeisterschaften in London befanden sich meist Tennisspieler, die sich den Winter über dem Tischtennissport widmeten. Hier ist der Deutsche Prenn zu erwähnen, der bei den Weltmeisterschaften mitwirkte und um die dreißiger Jahre auf der Tennisweltrangliste stand, und der Engländer Fred Perry, der sowohl im Tischtennis ( 1928/29 ) als auch einige Jahre später im Tennis die Weltmeisterschaft gewann.

Doch die Zeiten haben sich geändert und so auch die Spielregeln. Längst wurde das Tennis-Zählsystem abgeschafft und einheitliche Maße für Tische und Netze geschaffen. So wie alles andere änderte sich auch die Technik des Spiels. Spiele, wie bei den Weltmeisterschaften 1936 in Prag, als der Pole Ehrlich und der Rumäne Paneth um den ersten Ball im ersten Satz zwei Stunden und zehn Minuten spielten, sind Vergangenheit. Das längste Spiel, das man kennt, wurde ebenfalls bei diesen Welt­meisterschaften ausgetragen, und zwar zwischen dem französischem Meister Haguenauer und dem Rumänen Goldberg, Dauer: sieben Stunden.

 

Ping-Pong hieß das Spiel einmal, als man es noch zu Hause auf dem Eßtisch spielte. Heute ist dieses chinesisch klingende Wort verpönt. Ping-Pong ist ein großes Spiel geworden und heißt längst Tischtennis.

 

Aus einem Zeitungsausschnitt der fünfziger Jahre

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